Basics der Zweiradmontage

Sonntag, 27 Mai, 2012 - 12:15
Basics der Zweiradmontage erläutert Detlef Witt.

Die REMA TIP TOP GmbH kann Anlaufstation für ins Zweiradgeschäft einsteigewillige Reifenhändler sein. AutoRäderReifen-Gummibereifung sprach mit Detlef Witt, Produktmanager Reparaturmaterial, über die Grundlagen der Motorradreifenmontage, Schulungsinhalte und unbedingt zu vermeidende Fehler.

Kfz-Betriebe und Reifenhändler benötigen zuverlässiges Werkstattequipment, um einen guten Service leisten zu können. Welche Technik ist für den Einstieg in den Zweiradbereich unverzichtbar?
Detlef Witt: Eine Motorradmontagemaschine oder PKW-Montagemaschine mit Spezialzubehör und eine dynamische Wuchtmaschine für Motorrad-Räder.

In welchem Kostenspektrum bewegt man sich bei der Anschaffung des Zweirad­equipments?
D.W.: Das kommt stark auf den Ausstattungsgrad und das Servicespektrum an. Das Spektrum reicht bei professionellem Equipment von 3.500 bis 5.500€

REMA TIP TOP bietet regelmäßig Schulungen im Bereich Motorradreifenmontage an. Welche Inhalte werden vermittelt und wie ist der Ablauf dieser Schulungen?
D.W.: Schulungen durch die REMA TIP TOP GmbH finden meist im Zuge einer Maschinen-Einweisung vor Ort beim Kunden statt. Der Inhalt basiert auf der Bedienungsanleitung des Gerätes. Weiterbildungskurse für jedermann aus dem Reifenhandel und Handwerk gibt es über die Stahlgruber-Gesellschafter-Stiftung und die Stahlgruber-Stiftung. Geschult werden Sicherheitshinweise, Unfallverhütungsvorschriften, Hauptgruppen von Reifen, Reifenalter identifizieren, Aufbau von Reifen, Reifenbeschriftung, Rädertypen, Druckkontroll-Systeme, Montagegeräte und ihre Hilfsmittel, Montage-Geometrie, Demontage- und Montage in Theorie und Praxis, statisches und dynamisches Auswuchten in Theorie und Praxis, Fehlermöglichkeiten und ihre Folgen. Der Ablauf kann bei den Stiftungen eingesehen werden unter www.stahlgruber-stiftung.de und www.stahlgruber-gesellschafter-stiftung.de

Thema Informationsbeschaffung - aufgrund der verschiedenen Kraftradkonstruktionen gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Radmontage. Bei vielen Radmontagen ist eine mindestens teilweise Demontage von Antrieb, Bremsanlage oder des Tacho-Antriebes nötig. Wie gelange ich als Reifenhändler an die entsprechenden Informationen?
D.W.: Die Schulungen der Stiftungen und die Einweisungen der REMA TIP TOP GmbH beschränken sich auf das demontierte Rad. Hinweise zum Ausbau/Einbau am Motorrad müssen entweder über den Fahrzeughersteller, oder über separate Schulungen bei anderen Instituten wie BRV, Michelin-Karlsruhe, oder Vertragswerkstätten usw. eingeholt werden. Es handelt sich dabei um fahrzeugspezifische Informationen, die nicht in einem allgemein gültigen Kurs abgehandelt werden können.

Worauf ist bei der Montage und beim Wuchten von Motorradreifen unbedingt zu achten?
D.W.: Schmale Räder können allein statisch gewuchtet werden (Auswucht-Bock), aber heute haben die meisten Motorräder relativ breite Bereifungen und das erfordert auch ein dynamisches Auswuchten. Zusätzlich sind die Aluräder heute sehr unterschiedlich konstruiert und erfordern spezielle Aufnahme-Adapter für Wuchtmaschinen. Bei der Montagemaschine sind spezielle Klemmen zum Fixieren der Räder nötig. Empfindliche Lackierungen der Aluräder erfordern schonende Klemmtechniken, um Beschädigungen zu vermeiden. Neben Klemmgewichten für Speichenräder gibt es fast nur noch selbstklebende Gewichte, die man auch lackiert in verschiedenen Farben haben kann. Wichtig ist auch das Wissen über spezielle Ventile und Ventileinsätze für diese Radtypen und moderne Drucküberwachungs-Systeme.

Äußerste Sorgfalt ist bei der Reifenmontage an jedem Fahrzeug geboten. Beim Motorrad genießt das Thema Sicherheit aber eine nochmals gesteigerte Aufmerksamkeit. Welche Fehler gilt es diesbezüglich und auch hinsichtlich von Beschädigungen am Kraftrad unbedingt zu vermeiden?
D.W.: Rein auf die Montage des Reifens bezogen ist darauf zu achten, dass bei der Demontage keine Beschädigungen an der Felge und am Ventil/Drucksensor verursacht werden. Bei der Montage von Neureifen ist besonders auf den maximalen Springdruck und den richtigen Setzdruck zu achten, um den optimalen Sitz des Reifens auf der Felge zu erhalten und perfekte Dichtheit im Wulstbereich zu erreichen. Das Montagemittel muss schnell trocknen, damit der Reifen auf der Felge im Betrieb nicht mehr wandern kann. Der richtige Ventileinsatz passend zu der Beanspruchung des Rades im Einsatz ist ebenfalls wichtig, weil hohe Fliehkräfte am Ventileinsatz wirken und zu schleichendem Druckverlust führen könnten und hohe Temperaturen bei weitestgehend verdeckten Rädern, wie beispielsweise dem Honda Gold-Wing Hinterrad, die Dichtung am Ventileinsatz zerstören könnten. Beim Auswuchten ist auf den optimalen Rundlauf statisch und dynamisch zu achten, damit das Motorrad nicht durch Unwuchten ins Schlingern gebracht werden kann.

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