Euromaster im Kampfmodus

Mittwoch, 30 September, 2015 - 12:45
Euromaster macht aggressiv Werbung für den Michelin CrossClimate.

Im Vorfeld der Winterumrüstsaison sorgt ein Euromaster-Prospekt für großen Unmut im Reifenfachhandel. Die Michelin-Tochter Euromaster bewirbt unter anderem den Michelin CrossClimate - der Verbraucher wird laut BRV in diesem Kontext darauf hingewiesen, dass bei Verwendung dieses Reifens Servicekosten „bis zu 330,- €“ (inkl. Wuchten und Einlagerung) in zwei Jahren gespart werden könnten. Der BRV hat Andreas Berents, Geschäftsführer Deutschland und Österreich der Euromaster GmbH, um Stellungnahme gebeten. Dieser antwortet in bissiger Weise.

Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. zeigt zwar Verständnis dafür, dass die Michelin-Tochter Euromaster den CrossClimate und seine Produkteigenschaften im Marketing derzeit exponiert positioniert. Der BRV kritisiert aber, dass Euromaster den Verbraucher so massiv auf Einsparungen im Servicebereich hinweist. Dieser sei doch mehr und mehr eine der wichtigsten Ertragssäulen des Reifenfachhandels - somit auch von Euromaster.

Die vergleichsweise direkte und selbstgefällige Antwort von Andreas Berents an den BRV dürfte auch bei so manchem Euromaster-Partner für Verblüffung sorgen. Zunächst einmal zeigt sich Berents überrascht, dass die Branche Kenntnis von einem Werbemittel habe, dass noch gar nicht erschienen sei. In dem Schreiben heißt es weiter, die damit verbundene Aufregung könne fast "als Bestätigung für unser Angebot" gesehen werden. Im weiteren Verlauf wird Berents Ton noch aggressiver: "Immer wenn wir ein innovatives Prospektangebot kreiert haben, lassen die Händler aufgrund ihrer eigenen Einfallslosigkeit und Behäbigkeit die Muskeln spielen und drohen uns oder der Industrie." Wie schwer es für den BRV sei, den Handel von neuen Ideen und Konzepten zu überzeugen, hätten die Verantwortlichen des Branchenverbandes leidvoll im Rahmen der Bemühungen um den Roland-Berger-Aktionsplan erfahren müssen. Zu der laut Andreas Berents im Zwischenstands-Bericht vom BRV erkannten "Ignoranz der BRV-Mitglieder" gegenüber diesen Bemühungen will der Geschäftsführer der Euromaster GmbH eine direkte Schnittmenge zum aufkommenden Protest gegen den Euromaster-Prospekt erkannt haben. Die Wachstumsraten im Ganzjahresreifen-Segment der letzten Jahre seien nicht mehr von der Hand zu weisen.

Eine besondere Qualität bekommen die Ausführungen von Andreas Berents im weiteren Verlauf seines Schreibens an den Branchenverband. Die Bedenken und Proteste seien typisch für die Branche, weil sie Gesetze und freiwillige Kodizes missachte. Euromaster hingegen denke in allen Prozessen und Angeboten "immer vom Kunden her". Es gehöre zur Ehrlichkeitsphilosophie des Unternehmens, wenn ein solches Produkt auf den Markt komme, den Kunden ehrlich zu beraten und Einsparungspotentiale für sein Portemonnaie nicht zu verschweigen. Abschließend weist Berents auf einen Tipp an die Branche hin, der Bestandteil der geplanten Aktion sei. Der offerierte Umsteck-Gutschein lasse den Kunden zweimal kommen und eröffne neue Service-Potentiale für den Autoservice. Gerade hier liege das eigentliche Rohertragspotential - auch der Roland Berger-Aktionsplan stelle dies deutlich heraus. Die aktuelle Diskussion sieht der Geschäftsführer der Euromaster GmbH ohnehin von den "Ewiggestrigen" initiiert.

Die Gummibereifung als Fachhandelsmedium muss konstatieren, dass der Reifenfachhandel in den letzten Jahren in weiten Teilen ein sicher nicht allzu großes Potenzial an gedanklicher und handelnder Flexibilität hat nachweisen können. Der kontinuierliche Verlust von Marktanteilen des spezialisierten Reifenfachhandels in Deutschland ist Beleg hierfür. Der BRV hatte die Unternehmens- und Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants beauftragt ein „Geschäftsmodell Zukunft“ zu entwickeln. Die Relevanz des Umsetzungsprojektes wurde innerhalb der Branche unterschiedlich beurteilt. Der Kern der Analyse aber ist richtig und muss von jedem Reifenfachhändler ausformuliert und mit Leben erfüllt werden: Kunden erwarten ein breites Leistungsspektrum, eine hohe Kundenorientierung, ein scharfes Profil und eine angemessene Dienstleistungsumgebung.

Die Euromaster-Verantwortlichen meinen mit ihrem Weg und dem Baustein „Service-Offensive“ eine wesentliche Antwort gefunden zu haben. Das Unterhaltungsprogramm Instore-TV sollte die 350 Servicecenter aufwerten. Zudem soll der Kundschaft mit einer breiten Auswahl exklusiver Kaffeesorten und einem Maniküre-Angebot für weibliche Kunden der Aufenthalt angenehmer gemacht werden. Man muss nicht jedes Element dieser sogenannten Service-Offensive nachvollziehen können oder als wirksam beurteilen, der Versuch der Hinwendung zum Kunden aber ist deutlich erkennbar – in Teilen sogar in nahezu krampfhafter Weise. Die Bereitschaft drückt sich durchaus auch in dem von Andreas Berents kommunizierten Vorhaben aus, Kunden ehrlich zu beraten und Einsparungspotentiale für sein Portemonnaie nicht zu verschweigen. Ob allerdings ein derart großes Maß an Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in all diesen Maßnahmen und speziell auch in der Euromaster CrossClimate-Aktion stecken, wie Behrens behauptet, oder ob es sich nicht doch vielmehr um eine aggressive Vermarktung und Besetzung des stärker werdenden Themas „All-Season“ handelt, darf diskutiert werden. Deutlich wird, die Ausführungen von Andreas Berents tragen einen Ton, der die Euromaster GmbH nicht mehr als sich der Reifenfachhandelsbranche zugehörigem Akteur erkennen lassen, sondern als Industrie-Kooperation im Kampfmodus.

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