„Es fehlt die Bereitschaft zu investieren“

Mittwoch, 19 November, 2014 - 12:30
Tyre24-Geschäftsführer Michael Saitow will in den kommenden Monaten weitere Geschäftsfelder außerhalb des Automotive-Sektors entwickeln.

Michael Saitow hat als Macher von Tyre24 maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Reifengeschäft verändert hat. Im Interview mit der Redaktion spricht der Pfälzer Internetunternehmer über seine Pläne für die Zukunft und fehlende Investitionsbereitschaft in der Branche.

Sie haben die Branche mit Ihrer Idee verändert. Wie waren die Reaktionen aus der Branche, als klar wurde, das Geschäft von Tyre24 gewinnt an Größe?

Im Oktober 2002 lief das erste Live-System stabil. Da gab es noch relativ wenig Gegenwind. Im weiteren Verlauf bauten sich dann zwei Fraktionen auf: Einerseits die absoluten Internetskeptiker, und an zweiter Stelle Akteure wie Krupp oder Reifen Ritter, die relativ schnell gesagt haben, dass könnte funktionieren. Und wenn es funktioniert, dann knallt es richtig. Die beiden genannten Handelsakteure waren auch die ersten, die das System genutzt und gefördert haben.

Hat sich seither Ihr Blick auf die Branche grundsätzlich gewandelt?

Ich glaube nach wie vor, dass die Branche relativ weit hinten dran ist, was die Nutzung der neuen Technologien angeht. Das trifft aber auch auf sämtliche vergleichbare Branchen wie die Gastronomie und das Handwerk zu. Viele haben das Themenfeld eCommerce noch nicht richtig verstanden. Es geht ja nicht nur um den reinen Verkauf über einen Webshop, sondern auch darum, neue Wege zur Neukundengewinnung zu gehen, zum Beispiel über Apps. Für die Reifenbranche an sich gilt es, ein umfassendes Kundeninformationsinstrument zu nutzen und anzubieten – das reicht bis hin zur Verwaltung der Hebebühnen und einer Terminvergabe. Transparenz also nicht auf preislicher Ebene, sondern auch was Service und Montagetermine betrifft. Es gibt einige Akteure die sich nun in diese Richtung bewegen, aber das sind immer noch viel zu wenige.

Was mir besonders auffällt, ist die fehlende Bereitschaft in diese neuen Möglichkeiten zu investieren. Wir betreiben ja auch einige relativ große Webshops und haben Kunden, die für ihre Webpräsenz im Monat 30.000 bis 40.000 Euro bezahlen. Das sind Summen, die ein gut funktionierender Shop tatsächlich kostet – ohne Werbung drumherum. Bei vielen Herstellern und Großhändlern ist im Bereich eCommerce aber kaum Investitionsbereitschaft zu erkennen. Es fehlt vielfach die Professionalität und der Wille, sich in diesem Segment zu platzieren und Marktanteile zurückzugewinnen.

Lesen Sie mehr zu Saitows Idee der Modifizierung der Kundenansprache und seine Tipps an den Reifenfachhandel zur Bewältigung der digitalen Herausforderung im IT-Spezial der Dezember-Ausgabe.

Quelle: 

kle

Rubrik: 

Themen, die Sie interessieren könnten

  • Die Anzahl der Auszubildende und Ausbildungsstätte steigt.

    Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge im Mechaniker-Handwerk für Reifen und Vulkanisationstechnik nimmt laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH) wieder zu: Im Jahr 2017 sei die Zahl neuer Auszubildender im Handwerk zum dritten Mal in Folge und zudem deutlich stärker als in den Vorjahren gestiegen. Bis Ende Dezember 2017 waren 139.880 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten die Handwerkskammern damit 2.152 mehr neu eingetragene Ausbildungsverträge, das entspricht einer Steigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

  • Continental beteiligt alle Mitarbeiter weltweit am Unternehmenserfolg.

    Continental beteiligt alle Mitarbeiter weltweit am erfolgreichen Geschäftsjahr 2017. Die Ausschüttungssumme steigt um rund 15 Prozent auf insgesamt über 170 Millionen Euro und liegt damit rund 20 Millionen Euro über dem Vorjahresniveau von 150 Millionen Euro. Die Ausschüttung an die anspruchsberechtigten Beschäftigten erfolgt Mitte April dieses Jahres.

  • Dr. Elmar Degenhart will die Wachstumsdynamik fortsetzen.

    Continental hat zum Jahresstart in einem verhaltenen Marktumfeld seine Wachstumsstärke unter Beweis gestellt. Für Gegenwind sorgten in den ersten drei Monaten insbesondere Wechselkurseinflüsse. Trotz dieser negativen Effekte in Höhe von 546 Millionen Euro lag der Umsatz mit 11,0 Milliarden Euro auf Höhe des vergleichbaren Zeitraums des Vorjahres.

  • Mit einem weiteren Generationssprung bei den Mischsystemen können der Qualitätsstandard und die produktive Leistung gesteigert werden.

    Die Marangoni Gruppe kündigt eine technologische Verbesserung des Mischsystems im Werk in Rovereto angekündigt. Nachdem 2015 ein hochmoderner Intermix-Mischer mit ineinandergreifenden, in ihrem Abstand einstellbaren Rotoren, installiert werden konnte, sehe das nächste Ziel die Einführung eines automatischen Dosiersystems der neusten Generation vor, hergestellt vom Fachbetrieb Lawer. Die Investition sei Teil eines Pakets zur Steigerung der Qualitätsstandards.