Problempotenzial bei Reifendichtmitteln

Dienstag, 29 August, 2017 - 10:00
BRV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Drechsler sieht bei Reifendichtmitteln großes Problempotenzial.

Der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. formuliert in einer "Pannenhilfe mit Problempotenzial" betitelten Mitteilung erneut seine Kritik an Reifendichtmitteln. Laut BRV werben in jüngster Zeit verschiedene Anbieter verstärkt für Dichtmittel, die dafür sorgen sollen, dass Kraftfahrzeuge bei Reifenpannen schnell wieder flott gemacht werden können oder – durch präventiven Einsatz – erst gar nicht mit Plattfuß liegenbleiben.

Was für den Autofahrer auf den ersten Blick als attraktive Lösung erscheine, berge allerdings bei genauerem Hinsehen einiges Problempotenzial. „Nach § 36 StVZO, der Richtlinie für die Instandsetzung von Luftreifen, ist die Verwendung von präventiven Reifendichmitteln verboten“, stellt BRV-Geschäftsführer und Technikexperte Hans-Jürgen Drechsler zunächst klar. „Dichtmittel dürfen lediglich nach einem eingetretenen Reifenschaden als temporärer Notbehelf für eine begrenzte Mobilitätssicherung verwendet werden.“ Auf anderslautende Werbeaussagen für solche Produkte reagiert der BRV deshalb mit sofortigem Einspruch, gegebenenfalls mit Abmahnung bis hin zur wettbewerbsrechtlichen Klage. Dieselbe Richtlinie besage, dass Schäden an Reifen, die mittels Reifendichtmitteln behandelt wurden, nicht repariert werden könnten. Damit seien sie auch nicht runderneuerungsfähig. Laut BRV können sich für Halter von Pkw, noch mehr aber für die Halter von Nutzfahrzeugen erhebliche Kostennachteile gegenüber der Wahl der Reparatur als Pannenhilfe ergeben.

Ein Problem erkennt der Branchenverband auch bei der Entsorgung. Abgesehen davon, dass die mangelnde Reparatur- und Runderneuerungsfähigkeit mit Dichtmitteln behandelter Luftreifen einen Nachteil für die Umwelt darstelle, sei auch die umweltgerechte Entsorgung für Werkstätten und für Fahrzeughalter schwierig. Die Entsorgung von Reifendichtmitteln sei nur möglich, wenn das rechtsverbindliche Datenblatt des betreffenden Mittels oder seines Herstellers/Anbieters hinsichtlich der Umweltverträglichkeit vorliege. Hans-Jürgen Drechsler hierzu: „Ohne Vorlage eines entsprechenden Zertifikates warnen wir ausdrücklich vor einem ungeprüften Einbringen solcher Mittel in die öffentliche Kanalisation - mit oder ohne Ölabscheider.“ Nach Erkenntnissen des BRV werden Reifen, die mit Reifendicht- oder Pannenhilfsmitteln betrieben wurden, von den zertifizierten Altreifen-Entsorgungsfachbetrieben entweder nicht angenommen oder es wird eine nicht unerhebliche zusätzliche Entsorgungsgebühr erhoben. Solche Reifen seien in der Regel auch nicht mehr stofflich verwertbar. „Damit wird die rechtssichere Entsorgung als Altreifen zumindest teurer, wenn nicht sogar ein grundsätzliches Problem“, so Drechsler.

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