"UHP" nur Marketinginstrument?

Donnerstag, 25 Juli, 2019 - 14:00
Auf bewässerter Strecke müssen die Reifen ihre Handling-Eigenschaften beweisen.

Die ZhongCe Rubber Group Ltd. ist die Nummer 1 der chinesischen Reifenwelt. Unter anderem mit der Marke Goodride bearbeitet der Reifenriese die europäischen Märkte im Lkw- und Pkw-Segment. Die auto-illustrierte wirft nun in Kooperation mit dem TÜV SÜD die Frage auf, mit welchem Recht ein Profil wie das Goodride SA-07 die Bezeichnung "UHP" trägt.

Grundlage ist ein Test auf dem Goodyear Testgelände im französischen Mireval, bei dem der als "UHP"-Reifen ausgewiesene Goodride SA-07 offenbar in fast allen Disziplinen gegen zwei "UHP"-Konkurrenten von Goodyear abfällt. Dies sei ein Beleg dafür, dass es sich bei der Bezeichnung "UHP" eben nur um ein Marketinginstrument handele. „UHP-Reifen ist nicht gleich UHP-Reifen – Pneus, die mit dieser Bezeichnung verkauft werden, bringen nicht zwingend eine sehr gute Performance mit“, stellt Berthold Stöckl, Reifenexperte bei TÜV SÜD, fest.

Der Goodride SA-07 sollte sich auf dem Heimgelände des Goodyear Asymmetric 5 und des Goodyear SuperSport in der Größe 235/35 R19 gegen diese Premium-Schlappen behaupten. Vor allem beim Bremstest auf nasser Fahrbahn von 80 Stundenkilometern zeigte der Reifen aus China (43,1 Meter) aber offenbar deutliche Schwächen. Der SuperSport stoppte nach 33,1 Metern, der Asymmetric 5 nach 33,5 Metern. Unbedingt festzuhalten ist, dass natürlich mit dem Goodride-Gummi ein völlig anderes Preissegment bearbeitet wird. Auch andere Tests von ADAC und GTÜ hatten bereits belegt, dass das Leistungsniveau kaum mit "Premium"-Reifen vergleichbar ist. Die Frage nach einer tendenziellen "Irreführung" des Endverbrauchers durch eine "UHP"-Positionierung ist also durchaus legitim. Wobei man unserer Einschätzung nach dem nationalen Handel zutrauen muss, dass er für das anspruchsvolle UHP-Segment keinen Reifen empfiehlt, der Zweifel in sicherheitsrelevante Disziplinen aufkommen lässt. Jörg Petersen erläutert als Chef-Redakteur der auto-illustrierten gegenüber unserer Redaktion: "Durch die UHP- und auch die M&S-Kennzeichnung wird dem Verbraucher eine Fähigkeit suggeriert, die der Reifen nicht hat."

Laut den Test-Verantwortlichen kann das Goodride-Profil auch auf trockener Straße wenig überzeugen. "Von hundert auf null legt der Chinese 40,3 Meter zurück, der Asymmetric 5 steht nach 35,4 Metern und der SuperSport nach 33,1 Metern", so die kommunizierte Bremsbilanz. Auch in der Kurvenhaftung auf Nässe – getestet bei stationärer Kreisfahrt – falle der chinesische Reifen deutlich zurück. Nicht ganz so eindeutig dagegen sei das Ergebnis beim Aquaplaning (8 mm). Das Testauto schwimme mit dem Goodride bei 75,4 Stundenkilometern auf. Mit dem Asymmetric 5 passiert das bei 79,1 Kilometern pro Stunde, der SuperSport verliert hier bei 75,1 Sachen die Haftung. Die Tester bemängeln darüber hinaus wenig Performance in Sachen Seitenstabilität. „Wer bei neuen Reifen neben Sicherheit auf Sportlichkeit setzt, der sollte besonders Sicherheitsparameter wie die Nasshaftung im Auge behalten – hier bietet das Reifenlabel eine gute Orientierung. Die Bezeichnung Ultra High Performance dagegen hält dem Test nicht unbedingt Stand“, resümiert Berthold Stöckl.

Quelle: 

kle

Rubrik: 

Themen, die Sie interessieren könnten

  • (v.l.n.r) Nils Hollmann, Leiter Vertrieb, Marketing und Konzeptentwicklung und Homer Smyrliadis, Geschäftsführer der Alltrucks GmbH & Co. KG, Alexander Hild, Geschäftsführer und Nico Spirito, Leiter Vertrieb der Prometeon Tyre Deutschland GmbH. Bildquelle Prometeon

    Die Verantwortlichen des Werkstattkonzepts „Alltrucks Truck & Trailer Service“ und der Prometeon Tyre Group haben eine europaweite Zusammenarbeit vereinbart. Die an das Alltrucks Netzwerk angeschlossenen Nutzfahrzeug-Werkstätten sollen durch die Kooperation einen exklusiven Zugang zum Portfolio des Reifenherstellers erhalten.

  • Mario Schurr vom BBS-Marketing präsentiert das CI-R-Rad in der Jubiläumsedition. Bildquelle: Gummibereifung.

    Im nächsten Jahr feiert der Räderhersteller BBS seinen 50. Geburtstag. Deshalb stand der Auftritt auf der Essen Motor Show bereits ganz im Zeichen des Jubiläums. Neben einem eigens designten Jubiläumslogo sowie einem Zeitstrahl der in verschiedenen Etappen die Entwicklung des Unternehmens seit 1970 schilderte, wartete BBS auf der Essen Motor Show mit einigen Neuheiten speziell für das Jubiläum auf.

  • Michael Lappe, Geschäftsführer der TIP TOP Automotive, verspricht sich von Zentralisierung eine Optimierung der Bestellprozesse.

    Die TIP TOP Automotive GmbH zentralisiert ihre Logistik-Leistungen: Ab 30. Juni 2020 wird die komplette Logistik der Automotive-Sparte über den Standort Fürstenzell abgewickelt. Durch die Fokussierung auf einen Standort strebt die Vertriebstochter der REMA TIP TOP AG eine weitere Verschlankung der Strukturen und schnellere Lieferwege an.

  • Das Unternehmen Tenho Profil aus Moldawien überwachte den Test des Vipal VT110-Profils. Bildquelle: Vipal.

    Als Hersteller von Produkten für die Reifenrunderneuerung legt Vipal Rubber nach eigenen Angaben großen Wert auf die Tests seiner Produkte durch seine Kunden. Daher hat das osteuropäische Flottenunternehmen Senidav Trans SRL von Iaşi nun das VT110-Profil von Vipal einem umfangreichen Praxistest unterzogen. Im Rahmen des Tests wurden mehr als 260.000 Kilometer zurückgelegt.