Reifenfachhandel behauptet Marktanteil von 42 Prozent

Montag, 19 März, 2018 - 10:30
Der Reifenfachhandel kann seinen Anteil von 42 Prozent am Reifenersatzgeschäft Pkw halten.

Rund 55,1 Millionen Reifen wurden 2017 im Reifenersatzgeschäft in Deutschland laut dem Bundesverband Reifenhandel e.V. verkauft. Das entspricht einem leichten Plus von 0,5 Prozent im Durchschnitt aller Produktsegmente. Mit gut 92 Prozent der abgesetzten Stückzahlen sind dabei die sogenannten Consumer-Reifen (=Produktgruppen Pkw- und Off-Road- sowie Leicht-Lkw-Reifen) mit großem Abstand das größte Segment im Reifenersatzgeschäft, gefolgt von Lkw-Reifen (knapp 5 Prozent) und Motorrad-Reifen (2,4 Prozent). Der Reifenfachhandel kann seinen Anteil von 42 Prozent am Reifenersatzgeschäft Pkw halten.

„Der Reifenabsatz vom Handel an Verbraucher hat sich damit im dritten Jahr in Folge auf hohem Niveau stabilisiert“, so Yorick M. Lowin, Geschäftsführer des Bonner Fachverbandes. Mit rund 92,5 Prozent Anteil an der Produktgruppe Consumer-Reifen und gut 85 Prozent am Reifenersatzgeschäft gesamt bestimmt die Produktgruppe Pkw und Off-Road-Reifen (4x4) maßgeblich die Gesamtentwicklung im Markt. Mit gut 47 Millionen Reifen wurden in dieser Produktgruppe im vergangenen Jahr rund 0,4 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr. In den vergangenen Jahren hatte die verbandliche Absatzstatistik die Pneus für die beiden Fahrzeugsegmente Pkw und Off-Roader immer getrennt ausgewiesen, doch weil eine scharfe Zuordnung auf Basis der Reifendimensionen immer schwieriger wird, sind Pkw und Off-Road in den BRV-Marktdaten jetzt erstmals zusammengefasst. Neu in der Verbandsstatistik ist auch die jetzt getrennte Erfassung der Kategorie Ganzjahresreifen („AllSeason“) in den Produktgruppen Pkw/Off-Road- und Leicht-Lkw-(Transporter)-Reifen und damit auch im Gesamtsegment Consumer-Reifen. Die in der Vergangenheit der Kategorie „Sommerreifen“ zugeordneten Ganzjahresreifen machten im vergangenen Jahr mit einem Absatz von 8,2 Millionen einen Anteil von rund 16 Prozent im Consumer-Segment aus.

Die BRV-Statistik zeigt, dass der Stückabsatz von Ganzjahresreifen im Consumer-Segment im vergangenen Jahr durchschnittlich um 17 Prozent gestiegen ist, dies aber hauptsächlich zu Lasten des Sommerreifenabsatzes ging, während der Absatz von Winterreifen stabil blieb. Rund die Hälfte des Stückabsatzes im Segment Consumer entfiel 2017 wie im Vorjahr auf Winterreifen, während der Marktanteil von Sommerreifen um rund zwei Prozentpunkte auf jetzt knapp 34 Prozent sank und der Ganzjahresreifen-Anteil um rund zwei Prozentpunkte auf gut 16 Prozent stieg. Diese Entwicklung war übrigens in den beiden Produktgruppen des Consumer-Segmentes sehr ähnlich. Der Absatz von Llkw-Reifen lag mit einem Plus von 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr hingegen sowohl deutlich höher als in der Produktgruppe Pkw-/Off-Road-Reifen (+0,4 Prozent) als auch über dem Gesamtdurchschnitt des Segmentes (+0,8 Prozent).

Im Produktsegment Lkw-Reifen wurden laut BRV im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Stück verkauft, damit lag der Absatz exakt auf Vorjahresniveau. Gut 70 Prozent davon waren Neureifen, der Rest runderneuerte Reifen. Dass der Absatz runderneuerter Reifen und damit auch ihr Anteil am Gesamtsegment stabil blieb, wertet der BRV als Erfolg seiner Bemühungen, die vorwiegend mittelständisch strukturierten Runderneuerer in Deutschland in ihrem Kampf gegen zunehmend schwierige Marktbedingungen zu stärken. Im Schulterschluss mit seinen Mitgliedern aus der Runderneuerungsbranche sei es gelungen, die Fördermöglichkeit runderneuerter Lkw-Reifen im Rahmen des öffentlichen Förderprogramms De-minimis weitgehend zu erhalten. Auch an der im letzten Herbst erfolgten Eröffnung eines Antidumpingverfahrens der EU gegen Billigimporte von Lkw- und Busneureifen aus China war der Verband maßgeblich beteiligt.

Der Absatz von Motorradreifen, mit 1,3 Millionen Stückabsatz in 2017 eine eher kleine Produktgruppe, war im Vergleich zum Vorjahr vorwiegend witterungsbedingt erneut rückläufig (-7,1 Prozent). Auch in den Nischensegmenten der Reifen für land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge (FARM-Reifen) und für Erdbewegungsmaschinen (EM-Reifen), die vornehmlich in Bergbau und Baubrache zum Einsatz kommen, sanken die Absatzzahlen. In der Produktgruppe FARM ging der Stückverkauf um 4,4 Prozent auf gut 215.000 Einheiten, in der Produktgruppe EM-Reifen um 2,8 Prozent auf 34.400 Einheiten zurück, was der BRV im Wesentlichen auf normale Marktschwankungen zurückführt. Auf die Entwicklung im Reifenersatzgeschäft insgesamt haben diese Nischenprodukte aufgrund ihres extrem geringen Anteils von nur etwa 0,4 Prozent am Gesamtmarkt keine nennenswerten Auswirkungen.

Für das laufende Jahr rechnet der Reifenfachverband mit weiterhin überwiegend stabilen Absatzzahlen im Reifenersatzgeschäft. Lediglich im Segment Consumer wird durch einen möglichen Zuwachs von 0,8 Prozent in der Produktgruppe Pkw- und Off-Road-Reifen auch insgesamt ein leichtes Plus erwartet, in allen anderen Marktsegmenten – von Lkw bis hin zu den Nischen – liegt die BRV-Prognose für 2018 bei +/-0. „Die Konsolidierungsphase im Reifenersatzgeschäft wird weiter anhalten“, sagt BRV-Geschäftsführer Yorick M. Lowin. „Die größten Absatzzuwächse erwarten wir im Consumer-Segment mit gut 12 Prozent Plus für die Produktkategorie Ganzjahresreifen, die Zuwachsraten hier werden jedoch abflachen. Dass das erwartete Plus für das Gesamtsegment Consumer-Reifen mit 0,8 Prozent Zuwachs deutlich niedriger ausfällt, liegt an der Tatsache, dass Ganzjahresreifen von allen drei Produktkategorien des Segmentes den niedrigsten Anteil haben.“

Neben der Stückentwicklung im Reifenersatzgeschäft analysiert der BRV regelmäßig auch die betriebswirtschaftliche Situation der von ihm vertretenen Branche. „Die Ergebnisse unseres aktuellen Jahres-Betriebsvergleichs für den Reifenfachhandel zeigen, dass der mit dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen realisierte Gesamtumsatz 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent gestiegen ist“, berichtet Yorick M. Lowin. „Der Rohertrag konnte im Durchschnitt aller Teilnehmer um 2,8 Prozent auf jetzt 39 Prozent vom Umsatz gesteigert werden, die Umsatzrendite wuchs um 3,2 Prozent und lag damit um fünf Prozentpunkte höher als im Vorjahr.“ Die in der Mengenstatistik ausgewiesene positive Entwicklung sei also auch auf qualitativer Ebene festzustellen, analysiert der Verbandsgeschäftsführer. Als besonders bemerkenswert hebt er ferner hervor, dass die Umsätze mit Dienstleistungen, im Betriebsvergleich getrennt nach den Bereichen Reifenservice und Autoservice ausgewiesen, im Kerngeschäft Reifenservice um 2,5 Prozent, im 2. Standbein Autoservice um 3,7 Prozent ausgebaut werden. Autoserviceleistungen machen mittlerweile im Durchschnitt 11,4 Prozent des Umsatzes aus, liegen aber in der Gruppe der Unternehmen mit vorwiegend Pkw-Kundschaft mit rund einem Drittel Umsatzanteil deutlich höher. Hier zeige sich die zunehmende Entwicklung der Reifenservicebetriebe hin zu freien Kfz-Werkstätten mit Dienstleistungsangebot rund um das Kfz und besonderer Kompetenz im Reifenservice.

Dass sich die Reifenbranche seit ein paar Jahren durchaus auf einem guten Weg befindet, zeigt ein Blick auf die aktuelle Distributionsanalyse des BRV: Nach Marktanteilsverlusten an den Kfz-Werkstattsektor zu Beginn des Jahrzehnts konnte der Reifenfachhandels einen Anteil von 42 Prozent am Reifenersatzgeschäft Pkw in 2017 weiter halten und bleibt damit in diesem hart umkämpften Marktsegment der stärkste Anbieter.

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