wdk erkennt komplexe Branchensituation

Montag, 5 März, 2018 - 14:00
Die Reifenhersteller konnten den Stückabsatz in der Summe von Reifen-Erstausrüstung und – Ersatzbedarf nur marginal ausweiten.

Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie e.V. sieht mit Blick auf die konjunkturellen Eckdaten des Wirtschaftsjahres 2017 für die deutsche Kautschukindustrie eine Vielzahl struktureller Herausforderungen. Zwar konnte der Branchenumsatz um 4,2 Prozent auf 11,74 Mrd. € ausgeweitet werden. Auch zogen die Inlandsinvestitionen spürbar an und die Kapazitätsauslastung stieg um 4 Prozent. Insgesamt aber sei die Branchensituation komplex.

Das Umsatzplus der Branche von 4,2 Prozent auf 11,74 Mrd. € setzt sich laut wdk  aus einem Zuwachs im Inlandsgeschäft von 3,3 Prozent und einem Exportanstieg von 6,3 Prozent zusammen. Die Reifenhersteller konnten den Umsatz um 3,3 Prozent erhöhen, die Hersteller von Technischen Elastomer-Erzeugnissen (TEE) um 4,9 Prozent. Ausschlaggebend für das Umsatzplus war in erster Linie nicht eine Absatzsteigerung, sondern massive Rohstoffpreiserhöhungen, insbesondere im 1. Halbjahr 2017. Die Verkaufserlöse wurden also wesentlich durch die Rohstoffpreise bestimmt. Bei TEE setzte zusätzlich die stetig steigende Nachfrage nach TPE-Produkte positive Impulse.

Die Reifenhersteller konnten den Stückabsatz in der Summe von Reifen-Erstausrüstung und – Ersatzbedarf nur marginal ausweiten. Im Inland ging 2017 die Fahrzeugproduktion zurück – laut wdk korreliert die Reifen- Erstausrüstung hier stark – und der Ersatzbedarf in Deutschland zeige sich weiterhin gesättigt. Daran ändere auch der Trend zu Ganzjahresreifen, der sich seit 2016 verstärkt abzeichne, in Summe nichts.

Neben dem Aspekt, dass die Automobilindustrie im Inland in Summe weniger Aufträge abrief, stellte nach Angaben der wdk-Verantwortlichen ein veränderter Auftragsmix zunehmende Anforderungen an die Unternehmen der deutschen Kautschukindustrie. Einem massiven Rückgang der Dieselnachfrage in Deutschland stand eine erhöhte Produktion von Benzin getriebenen Fahrzeugen gegenüber und erhöhte den Bedarf entsprechender Zulieferkomponenten bei gleichzeitiger Reduzierung geplanter Zulieferteile für Dieselfahrzeuge. Die skizzierte Situation führte dazu, dass bei vielen Automobilzulieferern der Branche auf der einen Seite ganze Produktionslinien nur schwach ausgelastet waren, während bei anderen Prozessen die Kapazitäten nicht ausreichten. Insgesamt lag die Kapazitätsauslastung der Branche 2017 nach wdk-Angaben um gut 4 Prozentpunkte höher als 2016. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, dass durch eine Reifen-Werksschließung Mitte des Jahres die verfügbare Kapazität gesunken sei. Die in Summe reduzierte Fertigungskapazität von Reifen am Standort Deutschland spiegele sich in dem 2017 rückläufigen Produktionsvolumen.

Für das laufende Jahr erwartet die Branche eine Verschärfung der existenziellen Anforderungen an die Unternehmensausrichtung. Der positive gesamtwirtschaftliche Konjunkturzyklus entlaste die Unternehmen und sorge nicht für zusätzlichen Druck auf die angespannte Ertragslage. Dieser könnte sich allerdings bei den künftigen Lohnkosten auftun, so der wdk. Auch der wirtschaftspolitische Kurs der neuen Bundesregierung beinhaltet kaum industriepolitische Maßnahmen zur Stärkung des Produktionsstandortes Deutschland und der mittelständischen Industrie. In diesem komplexen Umfeld hält der wdk aktuell ein Umsatzplus von maximal 2 Prozent realisierbar.

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