Delticom: Geschäft mit Autoersatzteilen wird eingestellt

Freitag, 15 November, 2019 - 10:15
Die Delticom AG leitet einen Umstrukturierungsprozess ein.

Die Delticom AG leitet einen Umstrukturierungsprozess ein. Angestrebt wird eine „nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone“ und die Fokussierung auf das Kerngeschäft "Reifen Europa".

Mitteilungen aus dem Hause Delticom waren in diesem Jahr selten positiver Art. Dabei feiert das Reifenschwergewicht in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Die Veröffentlichung des Geschäftsbericht 2018 wurde monatelang verschoben. Die Verantwortlichen schlugen auf der Hauptversammlung schließlich vor, angesichts der Ergebnisentwicklung und mit Blick auf die im laufenden Jahr anstehenden Investitionen keine Dividende auszuschütten. Nun hat die Chefetage entschieden, einen generellen Umstrukturierungsprozess einzuleiten. „Angesichts eines zunehmend schwieriger werdenden Geschäftsumfeldes und zur Sicherung der langfristigen Liquidität wurde zusammen mit spezialisierten Beratern ein umfassendes Konzept zur nachhaltigen Rückkehr in die Gewinnzone, Steigerung der Profitabilität und Fokussierung auf das Kerngeschäft ‚Reifen Europa‘ erarbeitet und bereits erste Umsetzungsmaßnahmen ergriffen“, heißt es.

Delticom hat eine Chief Performance Managerin ernannt. Das Umstrukturierungskonzept wurde den finanzierenden Banken und Warenkreditversicherern im Oktober vorgestellt. Die von Delticom beauftragten Berater verhandeln nunmehr mit den finanzierenden Banken eine Fortführung der Finanzierung mit einer Laufzeit bis Ende 2021. Delticom hat mit ihren finanzierenden Banken am 7. August 2019 eine Stillhaltevereinbarung abgeschlossen, die zwischenzeitlich mehrfach verlängert wurde. Delticom kommuniziert in einer Ad-hoc-Mitteilung weiter: „Nach weiteren konstruktiven Verhandlungen mit den finanzierenden Banken haben diese eine zeitnahe Verlängerung der Laufzeit bis zum 8. Dezember 2019 konkret in Aussicht gestellt, um die weitere Abstimmung über die Fortführung der Finanzierung bis Ende 2021 zu ermöglichen. Die Banken haben in der Stillhaltevereinbarung zugesagt, bis zum Ende der Laufzeit keine Darlehensforderungen gegen Delticom ernsthaft geltend zu machen und keine Kredite zu kündigen.“

Es wird deutlich, die Delticom AG steht mit dem Rücken zur Wand – man gehe aber davon aus, dass die Stillhaltevereinbarung bei angenommenen weiterhin positivem Verlauf der Verhandlungen mit den Banken bis zum Abschluss der Vertragsdokumentation für die geplante Fortführung der Finanzierung verlängert werde. Bis dahin muss Delticom die Banken regelmäßig über die Vermögenssituation der Gruppe und den Fortschritt des Umstrukturierungsprozesses informieren. Die Verantwortlichen betonen zwar, dass auf Basis des vorgelegten Konzeptes die Möglichkeit bestehe, bis 2020 im Kerngeschäft wieder ein positives operatives EBIT erwirtschaften zu können, der Druck allerdings ist enorm.

Die Ziele des Umstrukturierungsprozesses sind laut Unternehmensangaben, die Prozesse der Delticom-Gruppe zu optimieren und die Delticom-Gruppe auf das profitablere Kerngeschäft mit Reifen und Kompletträdern zu fokussieren. Die Fortführung aller anderen Aktivitäten der Delticom-Gruppe werde gegenwärtig geprüft. Bereits beschlossen und eingeleitet hat der Vorstand der Delticom die Einstellung des nicht profitablen Geschäfts mit Autoersatzteilen und Schmierstoffen. Die Abwicklung soll zum Ende des 1. Quartals 2020 abgeschlossen sein. Außerdem sei geplant, die Vorstands-Ressorts bei Delticom neu zuzuschneiden und gegebenenfalls neu zu besetzen. Darüber hinaus habe Delticom einen Transaktionsberater beauftragt, der sowohl eine Veräußerung von Geschäftsbereichen der Delticom-Gruppe als auch die Beschaffung von zusätzlichem Eigen- oder Fremdkapital und die Prüfung einer möglichen gänzlichen oder teilweisen Übernahme von Delticom durch einen Investor evaluiere.

Die Delticom-Gruppe hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Konzernumsatz in Höhe von 420 Mio. € erzielt (9M 18: 418 Mio. €). Das EBITDA beläuft sich nach Ablauf der ersten neun Monate auf –7,6 Mio. € und liegt damit hinter dem entsprechenden Vergleichszeitraum (9M 18: 3,4 Mio. €). Für das Gesamtjahr erwartet das Management nunmehr einen Konzernumsatz in einer Spanne von 650 Mio. € bis 660 Mio. € (bisherige Prognose: 660 Mio. € bis 690 Mio. €). Die Anpassung resultiere aus der im Vorjahresvergleich schwächeren Ausprägung der Saisonspitze für das laufende Winterreifengeschäft.

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