„Politische Unterstützung fehlt"

Donnerstag, 23 Juli, 2020 - 13:45
Michael Schwämmlein beklagt die fehlende Würdigung und Unterstützung für die Runderneuerung seitens der Politik. Bildquelle: BRV.

Der BRV setzt sich gemeinsam mit dem Verband BIPAVER für die Runderneuerung ein. Wir sprachen mit Michael Schwämmlein, Geschäftsführer des BRV und Technischer Sekretär bei BIPAVER, über die aktuelle Situation der Runderneuerung in Deutschland und über die Fortschritte beim Projekt „Reifenlabel für Runderneuerte“.

Redaktion GB: Welchen Stellenwert hat die Runderneuerungsbranche in Deutschland und Europa zurzeit?

Michael Schwämmlein: Hier muss differenziert werden, um welches Produktsegment es sich handelt. Im Nutzfahrzeugreifensegment (hier primär C3-Reifen) wird der Stellenwert und Einfluss von runderneuerten Reifen auf EU-Ebene (siehe Punkt (17) in der Begründung der Novellierung der Reifenkennzeichnungsverordnung (EU) 2020/740) klar als bedeutend und wichtig herausgestellt. Der Marktanteil der Runderneuerung in diesem Segment liegt in Europa und in Deutschland bei rund 30 Prozent und ist damit groß. Da der Bereich des Straßengütertransportes in den letzten Jahren stetig gewachsen ist und noch weiter wachsen wird, ist das Volumen dieser Reifen erheblich.

Trotz aller Bemühungen von BIPAVER und BRV wird die Runderneuerung, obwohl sie bei entsprechender Förderung einen „Quick-Win“ in Bezug auf Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und CO2-Reduktion bewirken könnte, in der Politik aber nicht ausreichend gewürdigt und unterstützt (siehe Beiträge in T&F zur Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes/Anfragen in Landtag/Bundestag etc.). Hier werden immer wieder die längst überholten Vorurteile gegenüber runderneuerten Reifen zitiert, wie etwa geringere Laufleistung, höherer Rollwiderstand oder schlechtere Eigenschaften beim Nassgrip im Vergleich zu Neureifen. Deshalb ist hier ein Reifenlabel und in der Folge auch eine Dokumentation der Einhaltung der Mindestanforderungen der ECE R 117 (also RR, WG, Noise) entscheidend. Auch wenn dies einen zusätzlichen Aufwand und Kosten für die Runderneuerungsbranche darstellt.

Lesen Sie Teil 1 des Interviews in der Juli-/August-Ausgabe von AutoRäderReifen-Gummibereifung.

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oth/dw

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