Problem illegale Altreifenentsorgung

Freitag, 13 Juli, 2018 - 11:00
Illegale Entsorgung von Altreifen wird mit hohen Bußgeldern bestraft. (Bildnachweis: © UsedomCards.de - Fotolia.com)

Illegale Entsorgung von Altreifen wird mit hohen Bußgeldern bestraft. Für fachmännische Verwertung sorgen speziellen Entsorgungsbetriebe. Auf das Ausmaß und die Kosten illegal abgelegter Reifen für den Steuerzahler macht regelmäßig die Initiative Zare aufmerksam. Diese ist ein Zusammenschluss von 13 im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) zertifizierten Altreifenentsorgern.

Hierzulande fallen laut Zare jährlich rund 570.000 Tonnen Altreifen an. Seit Jahrzehnten werden Altreifen recycelt, aber die Zahl der Altreifen übersteige bei weitem den Bedarf an Recycling-Produkten. Der Altreifenberg wächst, nicht nur bei den Entsorgungsfachbetrieben auch auf wilden Deponien nimmt die Anzahl der Altreifen immer mehr zu. Gibt man einen Altreifen in einer Kfz-Werkstatt oder beim örtlichen Wertstoffhof ab, dann kostet das nach Angaben der Initiative drei bis vier Euro. Auch „fliegende Altreifenhändler“ entsorgen die Reifen, die sie bei Kfz-Werkstätten abholen, laut Zare nicht immer legal. Die Zare-Verantwortlichen berichten von einem Fall in Niedersachsen: In einem Wald wurden 150 Altreifen gefunden, deren Herkunft zurückverfolgt werden konnte. Die Reifen enthielten noch Namen und Autokennzeichen und stammten nachweislich aus einer Hamburger Kfz-Werkstatt. Dort waren sie aber, laut Werkstattbetreiber, „ordnungsgemäß“ von einem „fliegenden Altreifenhändler“ abgeholt worden. Der Entsorger hatte die Altreifen dann offenbar in den Wald gekippt, statt sie zur Deponie zu bringen.

Fast täglich werden irgendwo in Deutschland auf wilden Deponien in Waldstücken, an Landstraßen, auf Feldwegen oder in Flussläufen illegal abgelegte Reifen aufgefunden. Die Kommunen sind für das Entfernen dieser illegal abgeladenen Reifen verantwortlich und die Allgemeinheit trägt die Kosten dafür. Die illegale Art der Altreifenentsorgung wird polizeilich verfolgt. Die Höhe des Bußgeldes ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Für das Ablegen von ein bis fünf Reifen beträgt die Strafe in den meisten Bundesländern zwischen 75 und 330 Euro. Für mehr als fünf Reifen bezahlt man in der Regel bis zu 2.500 Euro Strafe. Teurer wird es in Niedersachsen: Dort kosten schon ein bis fünf illegal abgelegte Reifen bis zu 1.000 Euro. Und größere Mengen werden mit bis zu 25.000 Euro geahndet. Einen Eindruck zur aktuellen Lage der illegalen Altreifenentsorgung in Deutschland zeigt beispielsweise die Standort-Karte der Initiative. Kontinuierlich werden Meldungen illegaler Altreifenentsorgungen oder Reifenbrände aus den bundesweiten Lokalmedien gesammelt. In stark besiedelten Gebieten wie dem Ruhrgebiet oder Rhein/Main treten besonders viele Fälle auf.

Neben der Runderneuerung gibt es weitere Möglichkeiten der Wiederverwertung von Altreifen. Zare schlüsselt auf: Aufgrund des hohen Heizwertes (9,0 kWh/kg) eignen sich Reifen gut als Heizmaterial. Etwa 50 Prozent der Altreifen werden deshalb thermisch verwertet, das heißt sie werden geschreddert und in Zementwerken verbrannt, wobei der Stahlanteil auch noch als Ersatz für das Eisenerz dient. Die anderen 50 Prozent der Altreifen werden stofflich verwertet, sie werden von zertifizierten Recyclingbetrieben recycelt. Dabei werden sie in ihre Hauptbestandteile zerlegt: 67 Prozent Gummi, 18 Prozent Stahl, 14 Prozent Textil und 1 Prozent Reststoffe. Alle Bestandteile können wiederverwertet werden. Aus dem Gummianteil wird hauptsächlich Gummigranulat hergestellt und zur Modifizierung von Asphalt und Bitumen eingesetzt. Auch Sportböden, Kunstrasenplätze, Fallschutzmatten und Isomatten werden daraus hergestellt. Das Gummigranulat kann auch partiell devulkanisiert werden und wird dann als Recycling-Material der Reifenmischung für die Herstellung von neuen Reifen zugesetzt.

Die Initiative Zare hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Bewusstsein für fachgerechtes Reifenrecycling in Deutschland zu stärken. An 18 Standorten decken die Zare-Partner Deutschland und die Niederlande nahezu flächendeckend ab. Mitglieder sind die Allgemeine Gummiwertstoff und Reifenhandels GmbH, die Bender Reifen Recycling GmbH, die CVS Reifen GmbH, Danninger OHG Spezialtransporte, die Hartung Speditions-, Handels- und Transport GmbH, die HRV GmbH, KARGRO B.V., die KURZ Karkassenhandel GmbH, die Mülsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft mbH, REIFEN DRAWS, Reifengruppe Ruhr, REIFEN OKA sowie die Reifen Recyclingbetrieb Brenz GmbH.

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